Rigantona - eine Schottland Geschichte

Klappentext

 

Stell dir vor, jemand würde dir sagen, dass du eine keltische Göttin bist. Würdest du ihm glauben und die Herausforderung annehmen, auch wenn es dich mehr kostet, als du zu tragen bereit bist?

 

Als Rina Fischer in einer stürmischen Nacht beim Steinkreis im Glen Coe Zeugin wird, wie acht Menschen spurlos verschwinden, zweifelt sie an ihrem Verstand. In der Annahme, ungewollt einer keltischen Messe beigewohnt zu haben, beginnt sie zu recherchieren. Was sie dabei entdeckt, geht bis in die Zeit der keltischen Götter zurück und verändert ihr Leben von Grund auf.

 

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Buchtrailer

Leseprobe

Rina hetzte blind durchs dicke Gestrüpp. Die knorrigen Zweige der Ginsterbüsche schlugen ihr ins Gesicht und hinterließen blutige Striemen auf ihrer Wange. Sie war schweißgebadet, fror aber entsetzlich, und ihre Zähne schlugen klappernd aufeinander. Der Himmel hatte sich wieder mit dicken Wolken überzogen und orientierungslos stolperte sie durch die Dunkelheit. Jetzt wusste sie, wer das Ungeheuer in ihrem Traum gewesen war. Ab und zu riskierte sie einen hastigen Blick über die Schulter. Wenn sie nur wüsste, wo sie sich befand? Nirgends gab es einen Anhaltspunkt, an dem sie sich orientieren konnte. Der Weg zurück war durch Lamont versperrt; sie musste also einen großen Bogen um den Steinkreis machen, um dann wieder Richtung Fortingall Manor gehen zu können.

Sie hielt einen Moment inne und rang nach Atem. Keuchend stand sie vorn über gebeugt und hielt sich die Seite. Warum verfolgte er sie nicht? Er hatte doch den ganzen Zauber nicht organisiert, nur um sie dann mit einem Schrecken davonkommen zu lassen. Hinter ihr knackte ein Zweig, und sie starrte erschrocken in den Strahl einer Taschenlampe.

„So sieht also eine Göttin aus! Reichlich unordentlich ... Und sogar Blut tropft von der holden Wange."
Der Mann trat näher und Rina sah, dass er Handschuhe trug. Ihr wurde eiskalt. Niemand trug im Sommer Handschuhe ... auch nicht in Schottland: Lamont hatte also einen Helfer.

„Wer sind Sie?", fragte sie immer noch stark schnaufend.

„Das spielt absolut keine Rolle, Schätzchen. Los, beweg dich!" Er drückte ihr eine Pistole auf die Brust.

„Und wohin?"

„Schnauze! Das wirst du schon sehen."

 

Das Gelände wurde zusehends sumpfiger. Ab und zu blieben Rinas Schuhe im Morast stecken und lösten sich nur mit einem lauten Schmatzen wieder. Ein intensiver Fäulnis- und Verwesungsgeruch lag in der Luft.

Das Moor! Natürlich. Er trieb sie ins Moor. Der Kerl musste sie nicht einmal erschießen. Schottland würde sie einfach verschlingen und es sähe wie ein bedauerlicher Unfall aus. Was für eine makabere Idee!

Rina wusste zwar, dass es nur wenige Stellen in einem Moor gab, an welchen man restlos versinken konnte, aber, da man sie hierher gelockt hatte, würde es in dieser Gegend vermutlich solche Plätze geben. Wie schön für sie.

„Bleib stehen!", forderte sie der Mann auf, zog eine Karte hervor und leuchtete mit der Taschenlampe darauf. Er schaute sich kurz um: „Nach rechts, los, etwas schneller!"

 

Er wird mich töten. Der Gedanke war so erschreckend, dass sie eine Gänsehaut bekam. Eine Stimme in ihrem Kopf flüsterte eindringlich: Du hast keine Chance, gib auf! Und ein Teil von ihr driftete bereits in die Resignation ab. Ihre Schultern sackten nach vorne und sie stolperte über eine Wurzel. Doch plötzlich stand Nicos Gesicht vor ihr. Er lächelte verschmitzt und nickte ihr aufmunternd zu. Rina hob den Kopf, ihre Schultern strafften sich und sie atmete tief ein. Es war verdammt noch mal ihr Pflicht, wenigstens zu versuchen davonzukommen. Sie drehte sich um.

„Wissen Sie eigentlich, dass es praktisch unmöglich ist, einen Körper vollständig in einem Moor zu versenken?" Der Mann schwieg und drückte ihr die Pistole nur noch fester in den Rücken. „Die vielen Sagen und Geschichten über Moorleichen sind nahezu alle erfunden. In sogenannten Moorkolken, also stark verlandeten Seen und ehemaligen Tümpeln, die zuwachsen, kann das möglich sein, aber hier ganz sicher nicht."

„Halt die Klappe!", sagte der Fremde unwirsch. „Der Sir weiß schon was er tut."

„Verstehe. Das ist also Lamonts Idee. Hätte ich mir denken können. Mein Vater ist Geologe und ich weiß daher sicher mehr darüber, als der Herr Bauunternehmer. Voraussetzung für die Entstehung einer Moorlandschaft ist ein wasserundurchlässiges Fundament, zum Beispiel ein Lehmboden, und ein starker Wasserüberschuss. Wie Sie hier sehen, ist es zwar feucht, aber es hat viel zu wenig Wasser, als dass man hier bis über den Kopf versinken könnte. Der Lehmboden befindet sich nur etwa fünfzig Zentimeter unter der Oberfläche ... von daher können hier höchstens Mäuse ersaufen."

Sie warf ihm aus den Augenwinkeln einen kurzen Blick zu und sah zufrieden, dass er sich prüfend umschaute. „Bis heute sind in Mittel- und Westeuropa rund sechshundert Moorleichen gefunden worden. Fast alle stammen aus der Bronze- oder Eisenzeit. Damals hat man verurteilte Verbrecher im Moor hingerichtet. Bei den zahlreichen archäologischen Ausgrabungen stieß man auch auf Opferstellen der Germanen. Ein Holzsteg führte zu Stellen, an denen Schmuckstücke, Speere, Waffen und geschnitzte Götterstatuen versenkt werden konnten. Der unheimliche Ruf der Moore stammt daher lediglich aus Mittelalter und Frühgeschichte. Wie Sie feststellen, gibt es hier aber keinen See und noch weniger Holzstege. Die Warntafeln sind lediglich dazu da, dass keine Touristen durchs Moor latschen und alles niedertrampeln."

„Bist du jetzt fertig?", fragte der Mann ungehalten, wobei seine Stimme nicht mehr ganz so überheblich klang.

„Ja. Außer, es würde Sie interessieren, welche Grabbeilagen ..."

„Halt jetzt endlich die Klappe, verdammt noch mal! Das ist ja nicht zum Aushalten. Mir ist es vollkommen egal, ob du hier ersäufst oder ob ich dich abknalle. Tot ist tot und damit basta!"

Vor ihnen erstreckte sich eine dunkle Fläche, auf der sich das Mondlicht spiegelte. Rina war sich sicher, dass sie soeben in den gefährlichen Teil des Moors eingedrungen waren. Jetzt würde es sich entscheiden, ob sie die Qualitäten einer zukünftigen Königin besaß.

„Deagh-bheus, slàinte, sonas agus beartas!", schrie sie laut und der Kerl hinter ihr japste vor Überraschung. „Deagh-bheus, slàinte, sonas agus beartas!", kreischte sie nochmals und hob die Arme gegen den Himmel.

„Hör sofort auf damit! Was faselst du denn da?"

Er verstand also kein Gälisch, sonst hätte er sicher an Rinas Verstand gezweifelt. Es war ein Spruch, den sich die Schotten zu Neujahr wünschten und ihr war lediglich dieser eingefallen.

„Ich rufe meine Götter, damit sie meine Seele ins andere Reich begleiten. Vielleicht materialisieren sie sich auch. Schließlich habt ihr die acht Fackeln angezündet."

„So ein Humbug!" Der Mann lachte gepresst, sah sich aber argwöhnisch um.

Rina blieb stehen. Sie befanden sich jetzt unbittelbar am Rand des Gewässers, daher rief sie noch einmal voller Inbrunst: „Deagh-bheus, slàinte, sonas agus beartas!", und fuchtelte heftig mit den Armen.

„So, jetzt reicht's aber!"

Er wollte sie packen, doch Rina schlug geschickt einen Haken nach links, und der Mann griff ins Leere. Er schwankte, ruderte wild mit den Armen und fiel der Länge nach ins Wasser. Er schrie entsetzt auf, ging unter und kam prustend wieder an die Oberfläche.

„Hilfe!", schrie er. „Hilf mir!"

 

Rina schauderte, starrte aber hypnotisiert auf die verzweifelten Versuche des Mannes, ans Ufer zu krabbeln. Ein Schwall Wasser traf sie mitten ins Gesicht und sie erwachte aus ihrer Lähmung. Konnte sie wirklich zusehen, wie ein Mensch vor ihren Augen starb? Selbst einer, der sie hatte töten wollen?

Ihre Augen suchten das Gelände fieberhaft nach einem Ast ab, doch ringsum wuchsen nur Heidekraut und knorrige Ginsterbüsche. Mit bloßen Händen würde sie den schweren Mann nicht aus dem Morast herausziehen können. Womöglich würden sie dann beide versinken.

„Hilf mir doch. Gott, ich ertrinke!", schrie er panisch.

Ihr wurde übel und sie hielt sich die Ohren zu. Es dauerte nicht lange. Plötzlich war es totenstill. Nur ein paar vereinzelte Luftblasen stiegen noch aus dem dunklen Wasser und zerplatzten an der Oberfläche. Dann war der Spiegel wieder glatt und ruhig.

„Deagh-bheus, slàinte, sonas agus beartas", murmelte Rina noch einmal. Tugend, Gesundheit, Reichtum und Glück! Dann fing sie hysterisch an zu schluchzen.

 

 

Schottland

Schottland (schottisch-gälisch Alba, lateinisch-keltisch Caledonia) ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Schottland besteht aus dem nördlichen Drittel der größten europäischen Insel Großbritannien sowie mehreren Inselgruppen. Die schottische Hauptstadt ist seit 1437 Edinburgh (vorher Perth).

Das Königreich Schottland und das Königreich England wurden ab 1603 in Personalunion regiert. 1707 wurden die beiden Staaten zum Königreich Großbritannien vereinigt. Durch Zusammenschluss mit dem Königreich Irland entstand 1801 das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland.

In den letzten Jahrzehnten ist in Schottland eine starke Bewegung für eine Auflösung der Union mit England und damit die Abspaltung vom Vereinigten Königreich entstanden. Das Land hat bereits durch den Prozess der innerbritischen Devolution weitgehend Autonomiestatus innerhalb des Vereinigten Königreichs inne und seit 1999 ein eigenes Parlament in Edinburgh.

Im Rahmen eines Referendums stimmte am 18. September 2014 das wahlberechtigte Volk bei einer historisch hohen Wahlbeteiligung von 85 % mit 55 % der abgegebenen Stimmen jedoch gegen die Auflösung der Union. Während bei den jungen Wählern eine deutliche Mehrheit für eine Unabhängigkeit Schottlands stimmte, ergab sich bei den über 65 Jahre alten Wählern eine große Mehrheit gegen die Abspaltung.

(Text Wikipedia)

                                                                         Glen Coe

Bild: Wikimedia Commons, Mimihitam
Bild: Wikimedia Commons, Mimihitam

Glen Coe (gälisch Glen = Tal) liegt in den schottischen Highlands und ist ein beliebtes Wander- und Skigebiet für Touristen. Ausgangspunkt für Besuche ist oft das nahegelegene Fort William, verbunden mit dem Glen Coe über die A 82.

Dorthin macht sich Rina auf, den (fiktiven) Steinkreis zu besuchen. Als sie dort miterlebt, wie acht Menschen spurlos verschwinden, zweifelt sie an ihrem Verstand. Doch auch ihre Neugier ist geweckt und so beginnt sie zu recherchieren und erfährt während ihrer Reise durch Schottland, dass ihr eine Rolle bestimmt ist, von der sie nie zu träumen gewagt hätte.

Fort William

Bild: Wikimedia Commons, calflier001
Bild: Wikimedia Commons, calflier001

Fort William ist die größte Stadt der westlichen schottischen Highlands. Sie liegt am Ufer des Loch Linnhe. Durch die Nähe zum Ben Nevis, dem höchsten Berg Großbritanniens, ist Fort William eine touristische Hochburg mit Einkaufsstraße, Hotels und Bars.

Hier lernt Rina Nico, den jungen Schotten, kennen, der ihr die Sage von Rigantona, der keltischen Göttin, erzählt. Ob es Liebe auf den ersten Blick ist, erfahrt ihr im Buch.

                                                                             Edinburgh

Bild: pixabay
Bild: pixabay

Edinburgh (schottisch-gälisch Dùn Èideann) ist seit dem 15. Jahrhundert die Hauptstadt von Schottland. Seit 1999 ist Edinburgh außerdem Sitz des Schottischen Parlaments.

Edinburgh ist mit etwa 483.000 Einwohnern nach Glasgow die zweitgrößte Stadt Schottlands und seit 1996 eine der 32 schottischen Council Areas. Die Stadt liegt an Schottlands Ostküste auf der Südseite des Firth of Forth.

Rina und Nico besuchen gemeinsam die Sehenswürdigkeiten der Stadt, bis sie merken, dass sie verfolgt werden. Von nun an sind sie nirgendwo mehr sicher.

Trossachs

Bild: Wikimedia Commons, Mimihitam
Bild: Wikimedia Commons, Mimihitam

Die dichten, ursprünglichen Wälder mit dem Loch Katrine und den vielen kleinen Seen sowie dem Ben A'an (461 m) und dem Ben Venue (729 m) werden als die Trossachs bezeichnet. Sie befinden sich im östlichen Teil des Nationalparks. Im Süden und Osten thront der weitläufige Queen Elizabeth Forest Park.

Hier liegt das (fiktive) Anwesen Fortingall Manor, auf dem Emma und ihr Vater leben und wohin sich Rina und Nico vor ihren Verfolgern flüchten. Auf dem Bild sieht man das Former Hotel, das mich dazu inspirierte.

                                                                            Rigantona

Bild: Rhiannon riding in Arberth von Charlotte Guest, 1877
Bild: Rhiannon riding in Arberth von Charlotte Guest, 1877

Rigantona oder Rhiannon ist der keltische Name der Großen Göttin. Übersetzt bedeutet er Große Königin. Sie ist die geheimnisvolle Frau vieler keltischen Mythen. In einigen schottischen Legenden heißt es, dass die Weiße Frau einst auf einer Schimmelstute kommen werde, um die Schotten in die Unabhängigkeit zu führen.

Dass gerade Rina die Inkarnation dieser keltischen Göttin sein soll, kann sie zuerst gar nicht glauben und die Erwartungen, die die Schotten in sie setzen, ängstigen  und verwirren sie. Kein Wunder, wer glaubt auch schon an so etwas? Ob und wie Rina mit dieser Bestimmung umgeht, erfahrt ihr im Buch. Viel Spaß!